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Die Sonnenfinsternis im Orient
29. März 2006
Nach der mitteleuropäischen Eclipse des Jahres 1999 war im Frühjahr 2006 am östlichen Mittelmeer für viele Jahre letztmalig Gelegenheit, in relativer Nähe zur Heimat ein solch großartiges Naturschauspiel zu erleben. Zehntausende Hobbyastronomen aus ganz Europa pilgerten also in die Türkei, darunter auch 20 Mitglieder des Astroclubs Radebeul sowie des HTT-Beobachterclubs.

In den Tagen davor und danach konnten wir viel über Kultur, Geschichte und Gegenwart des Gastgeberlandes erfahren, trafen mit netten Hobbyastronomen aus anderen Teilen Mitteleuropas zusammen und bangten gemeinsam um gutes Wetter für den entscheidenden Tag. Das ist dort um diese Zeit- anders als im Sommer - nicht selbstverständlich, denn das Frühjahr ist die Hauptregenzeit am östlichen Mittelmeer!
Und - tatsächlich verfehlte uns ein von Nordwesten heranziehender Tiefausläufer nur um wenige Stunden, der nachfolgende Tag war zur betreffenden Zeit komplett bewölkt! Doch am entscheidenden 29.03. konnte das Subtropenhoch über Nordafrika noch dagegen halten - wir erlebten eine Finsternis unter wirklich idealen Wetterbedingungen.

Im folgenden nun eine Zusammenfassung unserer wichtigsten  B e o a c h t u n g s e r g e b n i s s e :


1. Die Venus wird lange vor der Totalität sichtbar - 10 min vor dem 2. Kontakt springt sie dem Beobachter förmlich ins Auge:

2. Gespenstisches, unnatürliches Licht kurz vor und nach der Totalität:

Neben der eigentlichen Beobachtung der Sonne-Mond-Konjunktion gehört die fremdartige Ausleuchtung der Landschaft zu den schönsten Erlebnissen während einer Totalen Sonnenfinsternis.

Das Sonnenlicht wird mit der fortschreitenden Verfinsterung nicht nur weniger, sondern durch den ständig schmaler werdenden Spalt, durch den es nur noch am Mond noch vorbeikommt, auch immer scharfkantiger!
Dadurch entstehen Beleuchtungsverhältnisse, wie wir sie uns in den Außenbezirken unseres Sonnensystems (z.B. auf Uranus- oder Neptunmonden) vorstellen müssen, wo die Sonne als nicht mehr so helle und faktisch punktförmige Lichtquelle am Himmel steht.

Im nachfolgenden Bild nun ein Blick zum Nordwesthimmel kurz vor dem 2. Kontakt:

In dieser Weltuntergangsstimmung sehen wir die Wolken des oben erwähnten Tiefdrucksystems, die nur sehr langsam von NW her vorankamen, also den zentralen Himmelsabschnitt mit dem verfinsterten Helios nicht mehr erreichten, aber eine prächtige Kulisse abgaben. Der Mondschatten hätte am Himmel ohne diese Schleierwolken nicht mal halb so eindrucksvoll ausgesehen!
Manchmal können Wolken richtig faszinierend sein, perfekter hätte Petrus uns jedenfalls den Sofi-Tag nicht organisieren können...

Um 11:54 UT war es dann endlich soweit: der letzte Sonnenstrahl verschwand hinter dem Mondglobus und die Chromosphäre, umrahmt von der prächtigen Korona, leuchtete auf!
Ein Anblick, den man mit Worten nicht beschreiben kann, majestätisch und wunderschön zugleich - man muß es gesehen haben...



3. Farbe und Helligkeit der Protuberanzen

Wer angesichts alltäglicher Sonnenbeobachtungen mit H-alpha-Filtern kräftig rote Protuberanzen erwartet, wird bei seiner ersten Totalen Sofinsternis (wie ich 1999 in Ungarn) zunächst überrascht sein. Die Farbe der "Beulen" ist eher ein helles Mangenta.
Was eigentlich auch völlig logisch ist, denn die Protuberanzen sind ja glühender Wasserstoff, und der hat neben der kräftigen Alpha-Linie noch 3 weitere Spektrallinien in anderen Farben des Spektrums. Zwar sind diese wesentlich schwächer, deshalb erfolgt ja außerhalb der Finsterniszeiten die Chromosphärenbeobachtung in H-alpha, aber ausreichend stark, um den Farbgesamteindruck zu modifizieren.

Die untere, sich unmittelbar an die Photosphäre anschließende, Chromosphäre ist derart heiß und hell, dass sie visuell und fotografisch weiß erscheint! Die Helligkeit der inneren Chromosphäre ist so stark, dass man insbesondere beim 3. Kontakt zunächst überrascht ist, kein Perlschnurphänomen zu sehen. Das inzwischen gut an das Dämmerlicht angepasste Auge des Fernrohr- beobachters hält sie irrtümlich schon für die wiedererscheinende Photosphäre!
Das obere Bild, kurz nach dem 2. Kontakt entstanden, zeigt dies deutlich.

Gut erkennbar auch der Unterschied zwischen der relativ scharf begrenzten Photospäre - die eben genau zu einem bestimmten Zeitpunkt schlartig wieder zum Vorschein kommt - und der diffuseren Chromosphäre, die aus dem unterschiedlich hohen Flammenmeer der Spiculen besteht und daher allmählich am Mondrand auftaucht.



4. Die Korona verrät:  das Aktivitätsminimum ist noch nicht ganz erreicht!

Die äußere Sonnenatmosphäre zeigte zwar schon die typische Schmetterlingsform, jedoch die Länge und Kompaktheit der Flügel war noch nicht maximal ausgeprägt. Insbesondere die mittlere Korona hatte noch kräftige Ausläufer in subpolaren Regionen:
Diese Finsternis war eine der ersten, die zu Zeiten der modernen Summenbildastronomie stattfand und somit Detailstrukturen in der Korona erfassbar waren, wie sie früher in dieser Fülle niemals hätten dokumentiert werden können. Das obere Bild ist ein Komposit aus verschieden belichteten einzelnen Videosequenzen, bestehend aus jeweils über 400 Frames.

Die Feinstruktur der Magnetfeldlinien ist beim geschärften Summenbild deutlicher als in jedem Einzelbild erkennbar.

Gut sichtbar auch die Störungen der globalen Magnetfeldstruktur durch regionale Ativitätszentren. Der in der oberen Abbildung (am linken Sonnenrand) erkennbare chaotische Koronabereich liegt an einer randnahen Fleckengruppe, die während der partiellen Phase zu beobachten war.

In diesem Bild ist u.a. zu sehen, wie die etwas größere Protuberanz links oben von einem regionalem Magnetfeld umgeben ist.



5. Die Größe der Protuberanzen

Hier der Vergleich mit einer Aufnahme, die ich am Merkurtransittag (7. Mai 2003) gemacht hatte. Dem kleinen Merkur war ja an jenem Tage fast die Schau gestohlen worden, als sich eine riesige eruptive Protuberanz von der Sonne emporschraubte. Gemessen an diesem Flare waren die Sofi-Protuberanzen 2006 geradezu zierlich.
           Auch die nächste Eclipse (2008 in Sibirien) wird uns noch eine eher ruhige Sonne präsentieren. 2009 könnte es in China/ Nordindien evtl. schon wieder günstiger aussehen, insbesondere bei einem vielleicht steilen Anstieg zum neuen Maximum.
Aber wie dem auch sei:  eine Totale Sonnenfinsternis ist in jedem Fall ein aufregendes, einzigartig spannendes Ereignis. Und so haben denn auch schon viele im Team begonnen, fernöstliche Reisepläne zu schmieden...


Abschließend noch ein Wort zur eingesetzten Technik:

Visuell beobachtet habe ich mit dem TMB-Apo 105/650 + Baader/Zeiss Binokularansatz.
Die videografischen Aufnahmen erfolgten mit meinem "halben Telementor": Carl Zeiss Jena FH 63/420 + Sony DCR-TRV30E.
Die Landschaftsbilder entstanden mit der guten alten Exa 1a (Pentacon Dresden)
Montiert war alles auf der Meade LXD-55 + einem altem Vermessungsstativ. Die letzten beiden Aufnahmen sind Komposite, wo jeweils ein Protuberanzenbild des Mitbeobachters Jörn Leineweber eingebunden wurde.

Ralf Hofner
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