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Totale Mondfinsternis  -  9. Januar 2001
 

Fotografische Beobachtungen mit dem TMB-Apochromat 105/650 in Herzberg (Elster)


Es war die erste Finsternis des 3. Jahrtausends.
Denn diese neue Zeitspanne begann bekanntlich am 01.01.2001 (also nicht etwa ein Jahr zuvor, wie irrtümlich von vielen Medien gefeiert, - die heutige Zeitrechnung startete schließlich mit dem "Jahr 1" und nicht mit dem "Jahr 0" ;-)) und so hatte die Himmelsgöttin Urania nur eine reichliche Woche nach jener denkwürdigen Silvesternacht für uns ein herrliches Farbenspiel organisiert: da sich kaum Vulkanstaub in der Hochatmosphäre befand, wurde viel rötliches Licht in den Kernschatten der Erde gelenkt (quasi das irdische Abendrot auf den Vollmomd projiziert) - unser kosmischer Begleiter schwebte also wie eine große, tieforangene bis rotfarbene Apfelsine durch den Schattenkegel von Mutter Erde.
Der Apfelsinenvergleich drängt sich bei einer Totalen Mondfinsternis beim Fernrohrblick mit geringerer Vergrößerung förmlich auf, denn neben der rötlichen Einfärbung der Mondoberfläche erweckt das lange Strahlensystem des Tycho die optische Assoziation mit dem Aussehen einer abgeschälten Orange...


Diese Grafik wurde vom Autor mittels eigener (chem.) Fotos erstellt (siehe dazu weiter unten) und verdeutlicht die großen Helligkeitsunterschiede je nach Entfernung zur (bei dieser Fin- sternis nicht erreichten) Mittellinie des Kernschattens der Erde.


Und hier einige weitere Daten zur Mondfinsternis des 09.01.2001:

Größe ............................................. 1.195 x Mond-Ø
Saros-Zyklus ................................... Nr. 134
Mondaufgang am Beob.ort ................ 14:57 UT
Sonnenuntergang am Beob.ort .......... 15:18 UT
Mond-Deklination: ............................ +22.3°

© Ralf Hofner

Helios hatte an diesem Tage ununterbrochen vom tiefblauen Winterhimmel geschienen, doch zum späten Nachmittag zog dann eine kleine Störung durch - der Beginn der Mondfinsternis musste also in Wolkenlücken verfolgt werden - die Satellitenbilder indes versprachen ein baldiges Verschwinden der Wolken, so dass wir uns für die kommenden Abendstunden auf ein ungetrübtes Naturschauspiel freuen konnten...

© Ralf Hofner

Das rechte Bild der Dreierserie oben hier nun in höherer Auflösung:  bei der visuellen Beobachtung im Fernrohr ist gut erkennbar, dass die Kernschattengrenze der Erde auf dem Mond nicht scharf, sondern etwas diffus, ca. 50 km breit ist (= halber Durchmesser der Wallebene Plato). Nur der unmmittelbar sich daran anschließende Bereich des Halbschattens ist - wie hier auch im Bild zu sehen - merklich abgedunkelt, die mittleren und äußeren Regionen des Halbschattens sind dagegen von der normalen Vollmond-Helligkeit kaum zu unterscheiden.
Zunächst wirkte optisch der Kernschatten recht dunkel - im Verhältnis zum hellen Halbschattengebiet - doch schon lange vor Erreichen der Totalität wurde dem aufmerksamen Auge die rotbraune Färbung des Erdschattens sichtbar. Bei stärkerer Vergrößerung war zudem im Teleskop die Fortbewegung des Kernschattens (d.h. eigentlich mehr die Bewegung des Mondes) eindrucksvoll zu sehen.

© Ralf Hofner

Farbenspiel mit Wolken um 19:10 Uhr UT.    © Ralf Hofner.   -   Alle Aufnahmen dieser Seite erfolgten fokal im TMB-Apo 105/650 (f/6.2 - Optik im Eigenbautubus) auf der Carl Zeiss JENA TM Montierung, mit PENTACON Practika MTL5 auf Kodak-Diafilm ISO 100 mit Drahtauslöser und der 'guten alten Hutmethode' belichtet, dieses Foto hier ca. 1 sec.
Die visuellen Beobachtungen erfolgten im parallel aufgesattelten "halben Telementor" (Carl Zeiss JENA Objektiv: Öffnung 63 mm, f = 420 mm; Selbstbautubus).
Kurz vor dem Erreichen der Totalität verschwanden schließlich die letzten Wölkchen und wir konnten den - bereits mit bloßem Auge sehr reizvollen - Anblick des tiefroten Mondes vor einem wunderschön klaren Sternenhimmel genießen:

© Ralf Hofner

Der verfinsterte Momd vor verschieden farbigen Hintergrundsternen im Milchstraßensternbild Zwillinge (Gemini) - 30 sec. belichtet. - Zur parallaktischen Ausrichtung der Montierung hatte ich im Planetariumsgarten keine Gelegenheit, da die Zeit vor dem Finsternisbeginn komplett unter Wolken lag: rein aus dem 'Gefühl heraus' ("etwas links oberhalb des Wasserturms müsste hinter den Wolken der Polarstern stehen...") wurde Nordrichtung eingestellt - und wohl recht genau getroffen, denn auch nach einer halben Minute Belichtungszeit sind die Sterne exakt kreisrund!
Dieses bild ist eine Komposition mit einer Mondaufnahme von 10 sec Belichtungszeit (Teleskop-, Kamera- und Filmdaten analog den anderen Bildern, siehe oben).

© Ralf Hofner

Vergrößerter Ausschnitt der oberen Aufnahme - die Farbsättigung der Hintergrundsterne wurde deutlich erhöht, um deren spektrale Differenzierung hervor zu heben. Auf den farbigen Doppelstern nördlich (oberhalb) des Mondes (Roter Riese + blauweisser kl. Begleiter) sei besonders hingewiesen. - Ein visueller Leckerbissen waren natürlich auch die vielen Sternbedeckungen, welche die rötlich abgedunkelte Mondkugel im Sternenmeer der Wintermilchstraße vollzog, nachfolgend ein Beispielbild:

© Ralf Hofner

Die Wintermilchstraße in den Zwillingen ist zwar nicht so sternenreich wie die Regionen in Schwan, Schild und Schütze, trotzdem fanden während dieser Mondfinsternis Sternbedeckungen im 'Fließbandverfahren' statt - in diesen beiden Bildern ist die Bedeckung des Gemini-Sterns SAO 79410 zu sehen: rechts kurz vor dem Eintritt, links wird er gerade wieder sichtbar.

© Ralf Hofner

Zum Abschluss ein kleine Bildersammlung als fotografischer Gesamtüberblick dieser Mondfinsternis.   -   Alle Fotos dieser Seite:    © Ralf Hofner.
Sämtliche Aufnahmen erfolgten übrigens inmitten des Besucherverkehrs einer öffentl. Veranstaltung im Herzberger Planetariumsgarten - und natürlich zur damaligen Zeit eben auf Film, ohne der heute mit Digitalkameras möglichen Sofortkontrolle der Belichtungszeit, wie sie gerade bei Mondfinsternissen sehr hilfreich ist, denn die Helligkeitsunterschiede sind je nach Position des Mondes im Erdschatten recht beträchtlich.
Zwei Artikel über unsere Beobachtungen veröffentlichte ich in STERNE & WELTRAUM sowie in der LAUSITZER RUNDSCHAU.
In Erinnerung blieb ein wunderschöner Beobachtungsabend - auch wenn Mondfinsternisse nicht die Erlebnisqualität Totaler Sonnenfinsternisse erreichen können - ihren besonderen optischen Reiz haben sie allemal und vor allem: man muss nicht auf Reisen gehen, um sie zu erleben...    RH.

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